Februar 11 2018

Fibromyalgie

Fibromyalgie – Leben mit Schmerzen

Fibromyalgie beschreiben Betroffene oft als „Schmerzen überall“. Die chronische Krankheit verursacht nicht nur Muskel- und Gelenkbeschwerden, sondern auch Schlafstörungen, Erschöpfung und Depressionen und diverse andere Symptome. Fibromyalgie wird oft spät erkannt und ist nicht heilbar. Die Symptome lassen sich nur schwer oder kaum lindern.

Die Fibromyalgie zählt zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Rheuma) und äußert sich vor allem durch starke Muskelschmerzen. Oft quälen sich die Betroffenen über viele Jahre mit den schlimmsten Schmerzen, laufen von Arzt zu Arzt und werden mit ihrer Erkrankung nicht ernst genommen. Das auch als generalisierte Tendomyopathie, myofasziales Schmerzsyndrom oder Fibrositis-Syndrom bezeichnete Fibromyalgiesyndrom ist eine chronische, nicht entzündliche Rheuma-Erkrankung ungeklärter Ursache.

Fibromyalgiesyndrom: Quälende Muskelschmerzen

Es zeichnet sich durch einen generalisierten Schmerz aus, der ausschließlich die Weichteile befällt, ohne dass man Veränderungen an Gelenken oder Knochen findet. Das bedeutet leider auch, dass weder im Labor noch in der bildgebenden Diagnostik (Röntgen, etc.) diagnostische Hinweise zu finden sind – das führt dazu, dass Betroffene oft nicht ernst genommen werden und es lange dauert, bis die richtige Diagnose gestellt ist.


An Fibromyalgie erkranken etwa 0,7 bis 3,2 Prozent der Bevölkerung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, Frauen häufiger als Männer und zwar in einem Verhältnis von 6:1.

Ursachen: Wie entsteht Fibromyalgie?

Die Ursache der Fibromyalgie ist bislang ungeklärt. Verschiedene Theorien vermuten u.a. Autoimmunmechanismen sowie psychogene Ursachen. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn verändert ist und eine stärkere Entzündungsreaktion bei Betroffenen besteht.

Offensichtlich besteht auch ein Zusammenhang zu diversen Hormonaktivitäten. So kann eine Schlafstörung (mit fehlender Tiefschlafphase) sowohl eine weitere hormonelle Dysbalance als auch Störungen im Immunsystem nach sich zu ziehen, die ihrerseits die Symptomatik der Fibromyalgie erklären. Fest steht jedoch, dass ein auslösendes Ereignis hierfür nicht festzumachen ist.

Genaue Ursachen der Fibromyalgie noch unklar

Ärzte unterscheiden zwischen einer primären Fibromyalgie, deren Ursachen oft unentdeckt bleiben, und einer sekundären Fibromyalgie, die durch ein anderes Grundleiden ausgelöst wird. Dafür in Frage kommen entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, Infektionen oder eine Operation.

Mediziner vermuten, dass eine gestörte Verarbeitung und veränderte Wahrnehmung von Schmerzen die primäre Fibromyalgie auslösen – das Schmerzgedächtnis ist „fehlprogrammiert“. Eine aktuelle Untersuchung zeigte, dass die Erkrankung auch eine körperliche Ursache haben könnte. Forscher des Universitätsklinikums Würzburg deckten kürzlich auf, dass die Muskelschmerzen  auf eine Schädigung vieler kleiner Nervenfasern zurückzuführen ist.

Wahrscheinlich gibt es nicht nur eine Ursache für das Syndrom, sondern es spielen mehrere Faktoren zusammen. Wissenschaftler vermuten eine Kombination aus genetischen, biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Bekannt ist, dass Fibromyalgie in manchen Familien gehäuft vorkommt. Inwieweit die Vererbung und psychologische Faktoren, etwa der Umgang mit Schmerz, zu dieser familiären Häufung führen, ist noch unbekannt.

Risikofaktoren, die eine Fibromyalgie begünstigen

Einige Risikofaktoren können die Entwicklung der Erkrankung begünstigen oder die Symptome verstärken. Dazu gehören beispielsweise:

  • negative Gedanken und Gefühle, die Patienten in Zusammenhang mit ihren Beschwerden entwickeln
  • psychische Erkrankungen wie Ängste und Depressionen (einige Fibromyalgie-Patienten leiden zusätzlich darunter)
  • Überforderung und hoher Leistungsanspruch
  • Stress, Konflikte am Arbeitsplatz oder in der Familie
  • Schlafmangel
  • verminderte körperliche Aktivität, Rauchen, Übergewicht
  • körperliche Schonung, Fehlbelastungen und Fehlhaltungen
  • mangelndes Verständnis der Umwelt für die Beschwerden
  • traumatische Erlebnisse wie sexueller Missbrauch, Gewalterfahrungen, mangelnde körperliche Zuneigung, Trennungen
  • frühere Schmerzerfahrungen durch Unfälle oder Operationen

Symptome: Wie äußert sich Fibromyalgie?

Herausragendes Symptom ist der den ganzen Körper umfassende generalisierte Schmerz, der von einer Reihe zusätzlicher Störungen begleitet ist. Hierzu zählen hauptsächlich:

  • Schlafstörungen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • chronische Müdigkeit, Erschöpfung, Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit
  • Leistungsabfall, Antriebslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, Niedergeschlagenheit
  • Nervosität, innere Unruhe
  • Taubheitsgefühle
  • trockener Mund
  • Morgensteifigkeit der Finger und Füße
  • kalte Hände und Füße
  • Kreislaufbeschwerden
  • Schwindel
  • Herzrhythmusstörungen
  • Magen- und Darmprobleme
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen

Vegetative Begleitsymptome sind:

  • kalte Hände und Füße
  • eine starke Schweißneigung
  • Zittern
  • Gleichgewichtsstörungen
  • funktionelle Herz-/ Kreislaufstörungen
  • gastrointestinale Störungen (zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom)
  • Blasen- und Mastdarmstörungen

Des Weiteren kann man nicht selten psychische Störungen wie beispielsweise Depressionszustände beobachten. Ob diese primär der Erkrankung als solche zuzuschreiben sind oder aber sich sekundär aufgrund des oft langwierigen Krankheitsverlaufes mit meist verspätet gestellter Diagnose entwickeln, ist bislang nicht geklärt.

Diagnose: Wie stellt man Fibromyalgie fest?

Wenn Sie mindestens 3 Monate Schmerzen in 3 verschiedenen Körperbereichen haben, sollten Sie sich auf Fibromyalgie untersuchen lassen. Diagnostisch ausschlaggebend sind die bei der klinischen Untersuchung zu lokalisierenden so genannten schmerzhaften Druckpunkte (die Tenderpoints). Sie liegen im Übergangsbereich von Muskeln und Sehnen im Bereich der Nacken- und Lendenregion, des Schulter- und Beckengürtels sowie an Knie und Ellenbogen. Sind 11 der 18 Tenderpoints druckempfindlich, ist eine Fibromyalgie wahrscheinlich.

Laborchemische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren sind in der Regel unauffällig und sollten nur zum Ausschluss möglicher anderer Erkrankungen durchgeführt werden. Differentialdiagnostisch kommen unter anderem alle anderen rheumatischen Erkrankungen, das Chronic Fatigue Syndrome, Infektionskrankheiten und bösartige Erkrankungen, aber auch Arzneimittelnebenwirkungen oder eine Osteoporose in Frage

Fibromyalgie: Therapie durch Medikamente

Als Medikamente werden bevorzugt Antidepressiva (Amitryptilin) oder die Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine eingesetzt. Diese können über positive Beeinflussung der Tiefschlafphase eine deutliche Reduzierung der Symptome bei den Patienten bewirken. Wichtig ist eine langsame Dosissteigerung, um eine optimale Wirkung bei noch tolerablen Nebenwirkungen zu erzielen. Nebenwirkungen sind insbesondere Gewichtszunahme, Mundtrockenheit und Bewusstseinsstörungen.

Alle bekannten Schmerzmittel insbesondere die Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen sind zur Behandlung der Fibromyalgie nicht geeignet, da es sich nicht um einen entzündlich verursachten Schmerz handelt. Sie sollten deshalb hier nicht zum Einsatz kommen. Die Langzeitbetreuung ist auf jeden Betroffenen individuell ausgerichtet.

Ergänzend werden Akupunktur, Homöopathie und eine psychologische Behandlung eingesetzt. Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation nach Jacobson runden die Behandlung ab. Von einer Behandlung in einer Kältekammer, einer TENS-Behandlung oder Tenderpoint-Injektionen (tender points) raten die Experten bei der jetzigen Studienlage ab.

Fibromyalgie-Behandlung: Diese Therapien helfen

Die Fibromyalgie ist nicht heilbar. Ärzte versuchen deshalb, die vielfältigen Beschwerden zu behandeln und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Behandlungen beseitigen zwar die Ursachen nicht, lindern aber die Symptome. In Deutschland sind keine Medikamente zugelassen, die sich speziell gegen die Fibromyalgie richten. Die Behandlung hängt davon ab, ob das Weichteilrheuma leicht oder schwer ausgeprägt ist. Ärzte greifen in der Regel zu einer Kombination mehrerer Therapien.

Beispiele für häufig eingesetzte Behandlungen sind:

  • Schmerzmittel, etwa schwache Opioide
  • Antidepressiva (in geringerer Dosierung als bei der Behandlung von Depressionen), die auch gegen Schmerzen und Schlafstörungen wirken
  • muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxantien) gegen Muskelverspannungen
  • Bewegungstraining: leichter Ausdauersport, Krafttraining
  • medizinische Trainingstherapie: Gerätetraining unter Anleitung eines Physiotherapeuten
  • Funktionstraining: Gymnastik an Land und im Wasser (Aquajogging)
  • Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Meditation
  • Thermalbäder: Balneo-, Hydro-, Thalassotherapie
  • Psychotherapie, etwa die kognitive Verhaltenstherapie
  • Patientenschulung mit Informationen rund um das Krankheitsbild

Alternative Heilmethoden: Das bringen Wärme und Kälte

Einige Betroffene verspüren durch Wärmeanwendungen Linderung, anderen helfen Kältetherapien (Kältekammer bis minus 110 Grad). Lymphdrainagen bessern Schwellungen in den Armen und Beinen. Eine allgemeine Empfehlung für diese Fibromyalgie-Behandlungen geben Ärzte nicht. Sie können aber für manche Patienten einen Versuch wert sein.

In einer Studie hat die Umstellung der Ernährung auf vegane Rohkost eine spürbare Verbesserung der Symptome erbracht. Allerdings sind diese und andere Studien zur Ernährungsumstellung bei Fibromyalgie aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen zu wenig aussagekräftig.

Verlauf bei Fibromyalgie sehr unterschiedlich

Die Erkrankung beginnt in der Regel schleichend und unauffällig. Zu Beginn klagen die Betroffenen über unspezifische Beschwerden, etwa Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit oder Schlafstörungen. Bis zur vollen Ausprägung der Schmerzkrankheit vergehen einige Jahre.

In ihrem Verlauf sind nicht immer alle Symptome gleich stark ausgebildet. So können sich beschwerdefreie Phasen mit Zeiten heftiger Schmerzen abwechseln. Äußere Umstände wie kalte oder warme Witterung, ein Wetterwechsel, intensive Sonneneinstrahlung oder Stress können die Beschwerden verstärken.

Wie stark die Schmerzen und die Begleitsymptome ausgeprägt sind, ist individuell verschieden. Patienten mit einer leichteren Form lernen mit der Zeit, mit ihrer Krankheit zu leben. Patienten mit schwereren Krankheitsbildern können neben den chronischen Schmerzen weitere körperliche Beschwerden entwickeln, die zum Teil sehr stark sind. Beispiele sind Reizdarm oder Reizblase. Zusätzliche Angststörungen und Depressionen beeinträchtigen die Patienten schwer in ihrem Beruf und Alltag.

 

 

 

 

 

 


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Veröffentlicht11. Februar 2018 von Claudia in Kategorie "Gesundheit

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